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   17.01.15 14:12
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Ein allzu typisches Weihnachtsfest

Man sagt Weihnachten sei die schönste Zeit des Jahres. Man sagt Weihnachten sei das Fest der Liebe und das Fest des Friedens.

Doch nicht in meiner Familie. Bei uns herrscht Krieg. Man findet selbst in dem aussichtslosesten Krieg einen Soldaten, der bereit ist in den Kampf zu ziehen, so auch meine Mutter. Bereits frühmorgens des Weihnachtstages legt sie los. In der Küche hört man das Poltern der fallenden Töpfe, während sie bereits weitergehuscht ist ins Wohnzimmer um dort den Boden zu wischen. Man riecht bereits die altbekannten Gerüche der Weihnachtszeit die sich in der gesamten Wohnung ausbreiten, diese vermischen sich mit dem wunderbar riechenden Essen, dass bereits seit frühmorgens vor sich hin köchelt. Man selbst kommt sich vollkommen hilf- und planlos vor, denn man hetzt durch die Gegend ohne wirklich Ahnung zu haben, was zu tun sei. Doch vage man sich nur einen Moment hinzusetzten, wird man als faul hingestellt und frech, dass man die arme Mutter schuften liese und sich selbst ausruhe. Man deckt den Tisch, denn das ist die einzige Arbeit, für die man qualifiziert genug gehalten wird. Ist man einmal fertig damit, bekommt man kein Lob dafür wie viel Mühe man sich mit den Servietten oder dem unzähligen Besteck gemacht hat, sondern man hat die falsche Tischdecke benutzt. Denn auf der jetzigen Tischdecke sind noch die Spuren des vergangen Weihnachtsessens zu sehen, wie die Rotweinflecken meiner Oma, die ständig jemanden etwas reichen muss und daher alles in ihrer unmittelbaren Nähe umwirft. Doch auch ich habe deutlich sichtbare Spuren hinterlassen, denn wie meine Mutter immer meint, wäre ich nicht fähig wie ein normaler Mensch zu essen, sondern ich esse wie ein Schwein und dementsprechend solle ich mich auch nicht wundern, dass das Essen überall landet und ich abends noch Essensreste in meinen Haaren finde. Doch nicht nur die Tischdecke ist falsch. Auch bei den Tellern habe ich den Fehler begangen nicht die zu nehmen die Spülmaschinenfest seien. Dann muss ich mir noch eine Tirade anhören, dass sie nicht auch noch Lust hat zwei Tage nach dem Essen Teller zu waschen, da sie das ja wieder machen müsse, da ich im Haushalt eh nie einen Finger rühre. Schlussendlich sind dann auch noch die Servietten nicht schön gefaltet, sondern sehe aus wie abgenutzt. Ich verschweige dabei, dass ich zuvor mehr als eine halbe Stunde zugebracht habe, um die Servietten im Origamistil zu falten und sie einfach die Kunst darin nicht erkannt hat. Am späten Nachmittag hat sich der Kriegszustand so weit zugespitzt, dass man meinen könnte in der Küche sei die  Schlacht von Verdun erneut ausgebrochen und untereinander spricht man auch kein Wort mehr. Denn in den letzten Stunden hat man sich so viel an den Kopf geworfen, dass man gar nicht mehr gemerkt hat, dass man die meisten der angeblich begangenen Fehler vor einem Jahrzehnt an ebenso einem Weihnachtsfest begangen hat. Aber der Tisch ist gedeckt und der Weihnachtsbaum, der zuvor mehrere Tage auf dem Balkon stand, da man Angst vor Zecken hat und diese erst gefrieren sollen, wobei man nicht bedenkt, dass der Baum sein ganzes Leben lang draußen stand, geschmückt. Man geht duschen um den zuvor entstanden Schweiß abzuduschen um nur Stunden später zu hören, dass man gar nicht hätte duschen müssen, da man nun sowieso verschwitzter ist, als zuvor. Man macht sich also fertig bevor die ersten Gäste kommen, doch ich schaffe es jedes Mal mich noch, bevor der erste Gast die Schwelle  überschreitet, mich einzusauen. Sind die Gäste dann da, ist man so Stolz, dass man vorspielt, den Tag vollkommen entspannt verbracht zu haben, wobei man jedoch im Kopf schon so weit ist, dass man sich sein weiches Bett herbeisehnt. Das Gehetzte und Gebrülle wird vollends unterschlagen und man präsentiert sich als Vorzeigefamilie. Doch der nächste Zündstoff für Streit liegt schon vor, denn kaum bietet man seine Hilfe in der Küche an, damit auch mal die Mutter mit den Verwandten im Wohnzimmer mitdiskutieren kann, wobei meist die Probleme einzelner schwarzer Schafe in der Familie näher diskutiert wird oder auch kein seltenes Thema, die Politik, wird man dort erneut angemotzt. Die Schuld liegt wie immer beim Jüngsten, mir. Wegen mir sei es jetzt zu spät für die Kirche, da ich natürlich nicht genug mitgeholfen habe. Obwohl ich bereits Wochen zuvor verkündet habe nicht in die Kirche zu gehen, da wie jedes Jahr, die Kirche vollkommen überfüllt und viel zu kalt sei. Außerdem sind wir bis jetzt, jedes Jahr zu spät gekommen, was dann zur Folge hatte, dass wir stehen mussten. Also steht man da eineinhalb Stunden und bekleckert sich schlussendlich auch noch mit Kerzenwachs, weil plötzlich alle Gläubigen gar nicht schnell genug aus der Kirche kommen und dies führt dann immer zu einem gequetschte und Gedränge, wobei man selbst nie eine Chance gegen die ältere Generation und deren Gehstöcke hat. Schafft man es dann doch irgendwann aus der Kirche raus, kann man es gar nicht mehr erwarten sich an den Tisch zu setzten, denn man hat solch einen Hunger, als ob man seit Wochen nichts mehr gegessen habe, denn wie jeder weiß gibt es das beste Essen nur an Weihnachten. Während des Essens erfährt man die skurilsten Dinge über die eigenen Eltern, denn dann beginnen die Verwandten aus dem Nähkästchen zu plaudern, denn das Gute Essen und der Alkohol beginnen allmählich zu wirken. Nebenbei werden zuvor bereits Diskutierte Gesprächsstoffe erneut zu Tisch gebracht, damit sie auch wirklich jeder gehört hat, besonders die Geschichten über die Familienmitglieder sind sehr beliebt in dieser Runde. Ich kann es nach dem Essen meist kaum abwarten bis zur Bescherung, denn das ist natürlich das Beste am ganzen Weihnachtstag. Die fällt meiner Meinung nach jedoch viel zu kurz aus, denn bei der Bescherung wird meist geschwiegen. Man bewundert sein Geschenk oder ist innerlich damit beschäftigt sein Pokerface aufzusetzen, damit keiner merkt wie bescheuert man sein Geschenk eigentlich findet, sodass während der Bescherung jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Man ringt sich vielleicht noch zu so viel durch, dass man sich bedankt. Danach denkt man, wenn man die ganzen Weihnachtsfilmen traut, dass man gemütlich beisammen sitzt, doch falsch gedacht.  Die Familie teilt sich, die eine Hälfte geht unten vor die Glotze und die andere oben vor den Fernseher, es gibt auch noch die Einzelläufer, die verschlägt es dann vor den Computer.

Am Ende des Tages schaut man rückblickend auf den Tag und man weiß ganz genau, dass es nächstes Jahr ganz genauso ablaufen wird, es überrascht einen nur, dass man sich freut. Denn auch wenn man sich streitet und in den Haaren liegt, man versucht einen schönen Tag mit der Familie zu haben und das ist am Ende des Tages das wichtigste.

10.1.15 23:57
 


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